Fotografien von Rainer Ortlieb

Ich beschäftige mich seit 1992 intensiv mit den Ausdrucksmöglichkeiten verschiedenster fotografischer Techniken. Motive werden in einem gestalterischen Prozess aus ihrem alltäglichen Kontext gelöst und Bildaussagen z.B. durch Reduktion auf Farbe und Form verdichtet.
Dem Betrachter bietet sich dadurch eine ungewöhnliche und neue Perspektive auf bekannte Motive. Dabei wird zum Teil mit historischen Druckverfahren wie dem Gummidruck und der Cyanotypie gearbeitet.

Streetfotografie
In den letzten Jahren habe auch ich damit begonnen, mich mit Streetfotografie zu beschäftigen. Ich habe in dieser Serie die verschiedenen Spielarten erprobt, von der klassischen Fotografie bis zu dynamischen Verfremdungen, um die Möglichkeiten für mich und meinen Stil zu finden. Auch hier spielen bisher Montagetechniken keine große Rolle, werden aber eingesetzt, wenn ich glaube, dadurch die Bildwirkung zu steigern. Primär werden die Bilder nur mit den vergleichbaren Möglichkeiten der analogen Dunkelkammer und dynamischen Kamerabewegungen während der Belichtung gestaltet.
Besonders fasziniert hat mich bei der Arbeit das Konzept von Cartier-Bresson des "Decisive Moment", der aber gar nicht so leicht zu finden ist.
Wie immer bin ich für Kritik und anregende Rückmeldungen dankbar.

Flowmotion
Die unter diesem Titel gezeigten Arbeiten spiegeln einen mehrjährigen fotografischen Prozess wider, in dem sich die Bildauffassung von einem rein dokumentarisch beschreibenden Stil zu einem interpretativen Vorgehen entwickelt.
Der Einsatz von Unschärfe abstrahiert vom konkreten Objekt und hebt es auf die allgemeinere Ebene der Grundform. Das schafft Raum für den subjektiven Blick des Betrachters. Gleichzeitig rückt die Farbe in den Vordergrund.
In einer letzten Phase verstärkt die Handhabung der Kamera "wie die Führung eines Pinsels" die Auflösung der Form. Farbe und Bewegung bestimmen das Bild und lassen neue Strukturen jenseits des ursprünglichen Motivs entstehen. Gleichzeitig kommt der Zufall als gestalterisches Element hinzu. So entsteht Raum für neue Bildwelten.
Die gezeigten Bilder kommen so, wie sie zu sehen sind, aus der Kamera, werden digital nur so weit nachbearbeitet, wie es auch mit den Techniken der analogen Dunkelkammer möglich ist. Während bei den früheren Arbeiten auch historische Drucktechniken eingesetzt wurden, um weitere Verfremdungseffekte zu erzielen, wird die jetzige Bildserie primär als limitierter Pigmentdruck aufgelegt, um den Charakter des Entstehungsmoments in den Fotos zu erhalten.
Weitere Informationen zur Flowmotion-Ausstellung als PDF-Dokument
Lisas Eröffnungsrede zur Flowmotion-Vernissage als PDF-Dokument

Letzte Änderung: 18.05.2019
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